Von Demmler bis zur heutigen Zeit

19. Jahrhundert: Planungen für Wohnen am Wasser


Schon im 19. Jahrhundert gab es erste Planungen für das Waisengärtenareal. Im Jahr 1866 veröffentlichte der bekannte Architekt und Stadtplaner Georg Adolf Demmler grundlegende Leitideen für die städtebauliche Weiterentwicklung der Werdervorstadt an den Schweriner See, nachzulesen im „Erweiterungs- und Verschönerungsplan der Residenzstadt Schwerin". Für das Seeufer der heutigen Waisengärten sah Demmler eine Blockrandbebauung vor, die in Verlängerung der Amtstraße auf die damalige Wiesenstraße (heute: Am Werder) führen sollte. Das Wohnen am Wasser wurde offenbar schon damals attraktiv. Die Planungen kennzeichneten den Wandel des Naturverständnisses im 19. Jahrhundert (vgl. Rahmenplan Werdervorstadt 1995).

 

 

1990er Jahre: Diskussionen, Thesen, Entwicklungsziele


Trotz ihrer attraktiven Lage wurden die Waisengärten sehr lange Zeit nicht in weitere städtebauliche Planungen einbezogen. Erst Anfang der 1990er Jahre, nach der Wende, wurde das innenstadtnahe Wohnen am Wasser als ein besonderer Wert für Schwerin erkannt. Damit rückte auch das Waisengärtenareal in den Fokus der Stadtentwicklung. Dieser letzte, noch unbebaute innerstädtische Uferbereich, vereint alle Vorzüge, um die angestrebten neuen Qualitäten zu erreichen.

 

Unterschiedliche Initiativen führten zu planerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema „Bauen an der Schweriner Wasserkante". Im Jahr 1996 wurde im Rahmen von IAAS „Institut for Advanced Architectural Studies" ein internationaler Städtebauworkshop durchgeführt. Im Ergebnis standen grundsätzliche und zum Teil provozierende Thesen, die die Qualitäten des Areals deutlich machen und unterschiedlichste Perspektiven ausloten. Der Stand dieser Diskussion findet sich im Rahmenplan für das Gebiet wieder, der 1997 beschlossen wurde. Darin sind Entwicklungsziele der Landeshauptstadt formuliert, die für den Bereich der Waisengärten eine Wohnbebauung vorsehen. Diese Ziele sind im Flächennutzungsplan berücksichtigt, der die Waisengärten als Wohnbauflächen ausweist.

 

 

2000er Jahre: Wertgewinn durch BUGA-Planungen


Weitere Entwicklungsmöglichkeiten zeigte das „Bauforum" auf, das die EGS Entwicklungsgesellschaft im Jahr 2000 durchführte und an dem sich namhafte Architekten beteiligten. Im Rahmen des LEG-Preises (Preis der Landes- und Stadtentwicklungsgesellschaften) im Jahr 2004 erfolgte eine weitere intensive planerische Bearbeitung des Gebietes unter dem Einfluss der BUGA-Planungen für Schwerin. Ca. 35 Arbeiten lieferten vielfältige Lösungsansätze für eine Stadtentwicklung unter Berücksichtigung von Wohnbebauung und Freizeiteinrichtungen.

 

 

Heute: Tor zur südlichen Werdervorstadt


Sämtliche Ergebnisse der unterschiedlichen Planungsverfahren dokumentieren die hohen Potenziale und vielfältigen Möglichkeiten, die Landeshauptstadt Schwerin direkt am Wasser in zentraler Lage mit neuen Qualitäten auszustatten. Dass es dabei nicht nur bei Visionen bleiben muss, ist durch die BUGA 2009 eindrucksvoll unterstrichen worden. In einem konzentrierten Rahmen sind eine Fülle von Projekten, die die Neugestaltung attraktiver Lagen am Wasser beinhalten, umgesetzt worden.

 

Durch den neu gestalteten Stadthafen am Beutel mit seiner großzügigen Promenade ist für die südliche Werdervorstadt ein ganz neuer Eingangsbereich entstanden. Allerdings ragt die Promenade in eine unfertige städtebauliche Situation hinein, die notwendigerweise weiterentwickelt werden muss – und das nicht nur bis zu den Waisengärten, sondern weiter in Richtung Norden.